Bürgerentscheid: Knappe Mehrheit im Pitztal stimmt gegen Gletscherehe

18.07.2022
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Nur wenige Tage nach der Einweihungsfahrt des neuen Gletscherexpress am Pitztaler Gletscher hat sich in einem Bürgerentscheid in St. Leonhardt im Pitztal eine knappe Mehrheit gegen die seit vielen Jahren geplante und sehr umstrittene Gletscherverbindung von Pitztaler und Ötztaler Gletscher ausgesprochen. Damit wird das Projekt nunmehr von den Pitztaler Bergbahnen nicht länger verfolgt.

50,4 Prozent der Pitztaler sprechen sich gegen das Projekt aus

Von den knapp 1200 Wahlberechtigten in St. Leonhard im Pitztal stimmten bei dem Bürgerentscheid am 17. Juli 59 Prozent ab - und das Ergebnis hätte knapper kaum sein können. Etwas überraschend stimmten 50,4 Prozent gegen das Projekt "Gletscherehe" - was laut Krone-Zeitung einen Unterschied von nur fünf Stimmen ausmacht.


Was dieses Resultat im Endeffekt bedeutet, das bewerten die teilnehmenden Parteien unterschiedlich. Während die Pitztaler Bergbahnen, die einen Großteil der Investitionssumme des Mega-Projekts hätten tragen sollen, in einer Stellungnahme (siehe unten) von einer weiteren Verfolgung der Gletscherehe Abstand nehmen, sehen Bürgermeister Haid und sein Stellvertreter Philipp Eiter das anscheinend ganz anders. Haid gegenüber der Tiroler Tageszeitung: „Eigentlich ist das mehr ein Halbe-halbe-Ausgang. Von einer Mehrheit gegen das Projekt kann man da nicht reden.“ In einem Gemeinderatsbeschluss vom 12. Mai. hatte es in St. Leonhard ein einstimmiges Ja zur Gletscherehe gegeben.


WWF Österreich und die Grünen sprachen im Kurier von einem "Riesenerfolg für den Naturschutz". Nicht zufrieden mit der Begrabung der Idee des Seilbahnzusammenschlusses zeigte Jakob Falkner, Geschäftsführer der Söldener Bergbahnen, auf Anfrage des ORF Tirol. Er bedauere die Entscheidung und habe das Projekt als große Zukunftschance vor allem für die junge Generation gesehen.

Stellungnahme der Pitztaler Gletscherbahn in der Tiroler Tageszeitung

"Die Zustimmung der Standortgemeinde war für uns von Anfang an die Grundvoraussetzung dafür, einen Zusammenschluss mit dem Ötztaler Gletscher bzw. mit dem Skigebiet Sölden anzudenken und zu planen.


Diese wurde uns seitens der Gemeinde immer wieder signalisiert und durch mehrere, einstimmige Beschlüsse im Gemeinderat eindeutig bestätigt. Das Ergebnis der Volksbefragung in St. Leonhard im Pitztal zum geplanten Zusammenschluss zeigt nun ein anderes Bild und wird von uns selbstverständlich zur Kenntnis genommen.


Nun liegt es an der Gemeinde St. Leonhard, daraus die entsprechenden Rückschlüsse zu ziehen. Für uns steht aber fest, dass wir das seit 2016 geplante und mittlerweile stillgelegte Projekt Zusammenschluss Pitztal-Ötztal nicht mehr weiterverfolgen werden."

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